100. Weltfrauentag – weibliche Rhetorik in der Geschichte

Geschrieben am 12. März 2010 in Allgemein

Am 08. März jährte sich der Frauentag zum 100. Mal – und ausgerechnet die Mutter aller Feministinnen, Alice Schwarzer, schlägt vor, diesen Tag, der meines Erachtens auch an die Frauenbewegung erinnern soll, abzuschaffen, wie die Welt schön kurz zusammenfasst. Für mich ist der Frauentag Anlass gewesen, über die weibliche Rhetorik in der Geschichte nachzudenken, zu recherchieren und Ihnen diese Gedanken und Ergebnisse vorzustellen.

Weibliche Rhetorik: Die Anfänge

Erst seit dem 19. Jahrhundert besteht für Frauen die Chance, öffentlich zu reden. Die Rhetorik findet ihre Ursprünge in der griechischen Antike und Frauen waren seinerzeit einfach nicht das “Zielpublikum”. Einen sehr guten Überblick über den Kampf der Frauen, ebenfalls reden, wählen und sich frei bewegen und selbst verwirklichen zu können, gibt Wikipedia in diesem Artikel über die Frauenbewegung.

Mit dem Vorankommen der Frauenbewegung tat sich in den vergangenen Jahrzehnten die sogenannte genderorientierte Sprache auf. Meinte das generische Maskulinum einst “alle”, werden heute Frauen und Männer gesondert genannt. In der Politik und im alltäglichen Leben ist zu beobachten, dass zunächst von “-innen”, dann vom generischen Maskulinum geredet wird; etwa “Werte Leserinnen und Leser”. Wie ist Ihre Meinung zur Gender-orientierten Sprache? Sehen Sie es als Vorstoß und wichtig an, die Weiblichkeit durch eine Endung besonders hervorzuheben, oder denken Sie, im Maskulinum (”Werte Leser”) sind alle angesprochen?

Weibliche Rhetorik heute

Noch immer gibt es große Unterschiede zwischen weiblicher und männlicher Rhetorik. Die Politik zeigt aber, dass Frauen auf dem Vormarsch sind: Selten waren Frauen derartig souverän, wie unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich als mächtigste Frau der Welt bezeichnen darf, oder die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton. Waren auch die Anfänge dieser beiden Frauen holperig, zeigen sie sich heute sicherer denn je auf dem politischen Parkett, auf dem man leicht ausrutschen kann. Auch eine Claudia Roth, Renate Künast oder Ursula von der Leyen; vorher schon Heide Simonis oder Regine Hildebrandt, zeigen, dass Frauen es weit bringen können. Sie sind Vorbilder – objektiv betrachtet; von den Inhalten ihrer Politik möchte ich an dieser Stelle nicht reden. Sie sind Frauen, die beweisen: Wir haben Möglichkeiten, Chancen und können es weit bringen.

Und doch: Frauen werden in der politischen Landschaft anders betrachtet als die männlichen Kollegen. Abgesehen von Schröders Haar-Färbe-Drama seinerzeit wird bei den männlichen Kollegen doch weniger die Frisur betrachtet; auch das familiäre Umfeld eines männlichen Politikers nimmt weniger bedeutungsvollen Raum ein, als bei ihren weiblichen Kollegen. So wurde Merkels Frisur bei ihren Anfängen als “helmartig” bezeichnet; und als sich Frau Merkel 2009 mit einem offeneren Dekolleté in die Oper traute, wurde gemunkelt, ob eine Frau in ihrer Position so etwas “darf”.

Ursula von der Leyen wurde in ihren Anfängen nicht ernst genommen, weil ihre Frisur zu mädchenhaft wirkte – außerdem stand die Frage im Raum, ob eine sechsfache Mutter dem Posten gewachsen sei. Wann wurde über die Kinder männlicher Politiker spekuliert? Auch Hillary Clinton musste den Spott amerikanischer Medien über sich ergehen lassen. Bei ihr kommt noch dazu, dass ihr Mann – Bill Clinton, einst der mächtigste Mann der Welt – einen riesigen Schatten wirft, den sie auch heute noch umgehen muss. Das gelingt ihr gut, indem sie offen sagt, dass sie Hillary Clinton ist und mit der Politik und dem Tun ihres Mannes nicht viel zu tun hat.

Wir leben in einer Zeit, in der es selbstverständlich ist, dass sich Frauen stark zeigen, dass sie rhetorisch punkten und Karriere machen, in die Vorstandsetagen einziehen. Viele mittelständige Unternehmen werden von Frauen geführt – auch im TV sind sie stärker vertreten, sowohl in der Moderation als auch in den Chefetagen, wie beim WDR, der von einer Frau geführt wird. Wir leben aber auch in einer Zeit, in der Frauen noch immer auf vermeintlich “typisch weibliche” Sachen angesprochen werden: Bricht eine der Damen in Tränen aus, wird das als “typisch weiblich” abgetan. Die Frisuren interessieren einige Medien mehr als die Inhalte der Aussagen dieser bewundernswerten Frauen. Andererseits … Diskriminieren Frauen (insbesondere Feministinnen) sich selbst dadurch, dass die Sprache Gender-orientiert wird, damit, dass betont werden muss, dass eine Frau ein Amt bekleidet? Was denken Sie?

Noch keine Kommentare!

Schreibe einen Kommentar