Gerhard Schröder mischt mit: Phoenix aus der Asche oder SPD eingeäschert?

Geschrieben am 24. September 2009 in Allgemein

Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) ist aus der Versenkung getreten – und direkt in den Wahlkampf. “The Man”, “der Kerl”, “der Macho-Kanzler” – vier Jahre nach seinem politischen Ende eilt er seiner Partei zur Hilfe; wie Phoenix aus der Asche oder ist die SPD schon eingeäschert? Mit seiner ihm scheinbar angeborenen – eher durch hartes Coaching antrainierten – Dynamik läuft er auf dem Catwalk der Politik – na ja, erst mal in der Neandertalhalle in Mettmann bei Düsseldorf. Schröder zieht die Medien an, er ist Charismatiker, hat seine Körpersprache und seine StimmRhetorik fest im Griff, setzt sie bewusst ein. Hilft das der SPD jetzt noch im Wahlkampf?

Bislang war es still um Altkanzler Schröder. Steinmeier (SPD) gehörte als Kanzlerkandidat neben Merkel (CDU) als aktueller und potenzieller Kanzlerin die volle Aufmerksamkeit. Aber … diese Aufmerksamkeit wurde beiden von der Öffentlichkeit geliehen, weil sie sich um ein wichtiges, eines der wichtigsten Ämter in Deutschland bei den Wählern bewerben. Ganz anders Schröder: Er weiß, was er ausstrahlt. Er macht aus einem Wahlkampf eine Show. Sein erster Auftritt fand vor zirka drei Wochen im westfälischen Lübbecke statt, vor wenigen Tagen dann Mettmann und Bielefeld. Schröder on Tour, Schröder für die SPD.

Seine Sieger-Gesten nehmen das Publikum ein. Das Handelsblatt beschreibt seine Gestik beim Mettmanner Auftritt genau. Inhaltlich malt Schröder ein Horrorszenario aus – genau die richtige Taktik, um in Krisenzeiten Stimmen zu bekommen: Kommt Schwarz-Gelb an die Macht, gibt es ein sozialpolitisches Desaster, so seine Kernaussage – untermalt mit viel Gestik, einem warnenden Trauerspiel im Gesicht, schützend die Hände zum Publikum gewandt, die zeigen: “Wir, die SPD, retten dich, Wähler, aus dieser Misere. Wähle SPD und der Schrecken hat ein Ende!” Das alles umspielt von einer warm-väterlichen und doch bedrohlich warnenden, bassigen Stimme. Sein Sound stimmt. Seine rhetorische Geschicklichkeit: Direkte Attacken gegen den schwarzen Gegner. Es sei nicht nötig, die CDU zu beschimpfen, “die taugen eh nix!” – zack! Das sitzt. Das hat Kraft. Schröder untermalt das mit seiner Gestik; einem Niederschlagen mit seiner rechten Hand, die er wieder hebt.

Geschickt redet Schröder die CDU um Kopf und Kragen: Alle Lösungen seien von der SPD gekommen. Alle guten, versteht sich. Steinmeier habe perfekte Außenpolitik betrieben. Der Rhetorik-Virtuose zaubert Stimmung in den Saal – lässt es durch seine rhetorischen Kräfte so erscheinen, als sei der gebannte Zuhörer selbst drauf gekommen, dass die CDU, wie Schröder sagt, nichts zum Guten beigetragen habe. Schröder hat die rhetorische Stärke, jeden Kommentar so abzuschließen, dass kaum mehr ein Widerspruch geduldet wird. Mit jedem seiner Sätze spricht er Endgültigkeit aus. Kein Widerspruch. Kein weiteres Kommentar. Punkt aus.

Standing ovation beschreibt das Handelsblatt nach zwanzig Minuten Reden schwingen von Schröder. Zwanzig Minuten Rampenlicht für den Altkanzler, der sich suhlt im Rausch des Applauses. Der seinen Auftritt von Anfang bis Ende genießt. Eine Gefahr für die aktuelle Kanzlerin Angela Merkel? Rhetorisch ist Schröder überlegen. Merkel hat deutlich dazu gelernt, aber reicht das für den Macho-Schröder? Immer wieder zu beobachten: Traut sich jemand einen Angriff auf Schröder zu, hebt er zunächst absolut erstaunt die Augenbrauen, um dann seine Stimme so zu setzen, dass sie erstaunt und doch punktgenau stichelt. Zu gerne zieht er Argumente ins Lächerliche.

Seit Merkel gibt es nur noch ein TV-Duell zwischen den Kanzlerkandidaten. Ob das seinen Grund hat? Die einmal gefestigte Meinung der potenziellen Wähler will man vielleicht nicht noch verunsichern. Während das vergangene Duell ein Paartanz auf die große Koalition war – rhetorisch auch eine geschickte Masche – gab es zu Schröders Zeiten böse Attacken im TV-Duell. Wie ist Ihre Meinung? Kann Gerhard Schröder in allerletzter Minute durch seine StimmRhetorik Punkte für die SPD sammeln? Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie den Altkanzler hören und beobachten?

2 Kommentare

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1. Lukas Koza | 25. September 2009 | 10:54

Neue Stimmen kann er nur bei Unwissenden naiven sichern. Die ganze Rhetorik und Gestik hilft nur bei Mitbürgern die keine Ahnung von der Materie haben und sich ständig von den Politiktreuen Medien manipulieren lassen. Die Parteien werden von Milliardenschweren Unternehmen unterstützt. WAZ-Media… machen dauernd Positivschlagzeilen für die SPD. Reuters und Bertelsman unterstützen dagegen die CDU (Bild, FAZ, etliche Radiosender…).

Schröders Regierung war Schuld an der Finanzkrise, indem sie den Finanzmarkt Narrenfreiheit gab und ihn praktisch von der Realwirtschaft abkoppelte. Das Resultat sehen wir alle. Eine Umverteilung der Gelder von Unten nach Oben. Steigende Armut etc.pp.

Das große Bündnis SPD/CDU hat auch versagt. Bereits Anfang 2008 von der Finanzkrise wissend, hat Sie nichts getan um sie zu dämpfen. Das Ende der Geschichte kennen Sie. Gutenberg lässt Gesetze von Bankexperten schreiben. Im Prinzip hat sich nichts geändert. Die nächste Finanzkrise wird kommen.

2. Dr. Anna Martini | 28. September 2009 | 21:51

Die Aktion “Phoenix aus der Asche” hat in der Tat nicht funktioniert; insbesondere an die “Gruppierung” Nichtwähler hat die SPD deutlich Wählerstimmen verloren, wie ein Artikel in der SZ hier zeigt: http://www.sueddeutsche.de/politik/778/489168/text/

Es bedarf in der Tat mehr, um Wähler zu halten. Der Auftritt des Ex-Kanzlers hat nicht gereicht. Bleibt also abzuwarten, ob uns Schwarz / Gelb überraschen kann.

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