Gregor Gysi über die Rhetorik in der politischen Welt
Geschrieben am 17. März 2010 in Allgemein
Die 7. LiMA (Linke Medienakademie), die alljährlich stattfindet und sich mit Medien, Politik und Rhetorik auseinandersetzt, ist gerade in vollem Gange. eröffnet wurde sie mit einer Rede von Dr. Gregor Gysi, der über die Rhetorik im Allgemeinen und die Rhetorik in der politischen Landschaft im Besonderen sprach. Eine Transkription der Originalrede aus dem Jahre 2009 hat die Welt abgedruckt.
Angefangen bei den alten Griechen und der “Erfindung” der Rhetorik beziehungsweise der ersten bedeutungsvollen Rhetorik arbeitete sich Gysi schnell in die ehemalige DDR vor, bei der rhetorische Künste in der politischen Landschaft Randerscheinungen waren. Begründet wird das von Gysi damit, dass der demokratische Wettbewerb gefehlt habe und damit die Wichtigkeit der Rhetorik nicht anerkannt gewesen sei.
Und nun wird es meines Erachtens wichtig: Politiker seien in der Pflicht, die eigene Politik für Bürger zu übersetzen. Wörtlich drückt es Gysi so aus: “Wer nicht übersetzt, geht in die Politik nur für sich und nicht für die Bürger.” Und hier besteht eine Gratwanderung: Politik geht alle etwas an – was zur Folge hat, dass die Rhetorik in der Politik sowohl in den Kopf des Akademikers als auch in den des Hauptschulabgängers fließen muss. Das Zielpublikum – der Wähler – sind wir alle. Die Rhetorik muss also leicht verständlich und doch ansprechend sein. Politiker sprechen aus den Medien zu ihren Wählern; in den wenigen Sekunden, in denen der Politiker im Fernsehen oder im Radio zu hören sowie in der Zeitung zu lesen ist, muss verstanden werden, was gesagt wurde – und idealerweise auch gefallen.
Gysi verbindet seine Rede mit Geschichten aus seinem persönlichen Leben – ein gutes rhetorisches Stilmittel, was allerdings im richtigen Moment angewendet werden sollte. Weiter sprach Gysi über die Rhetorik der eigenen Partei in den Medien. Die Botschaften der Linken seien komplexer, als dass sie in vereinfachter Form für “die Zeitung mit den vielen bunten Bildern” reiche. Aber es gäbe die Menschen, die diese Zeitung lesen – und diese gehören nicht zur Zielgruppe der Linken; sie sind für die Partei nicht zu erreichen, so Gysi. Das entspricht der oben erwähnten Gratwanderung: Politik betrifft alle. Die Sprache der Politik erreicht aber nicht alle. Gysi erklärt weiter, dass Wahlen nicht durch Rhetorik entschieden werden, wenngleich sie Wahlen beeinflussen würde – im Falle Obama dürfte das wohl anders ausgesehen haben; zur letzten Bundestagswahl auch bei Angela Merkel. Um politischen Schaden vorzubeugen, sei es gerade für die Linkspartei von Bedeutung, auf die “Professionalität” der eigenen Parteimitglieder zu achten. Es fehele allerdings am demokratischen Grundverständnis seitens der Basis, wenn die Parteiführung aufgrund ihrer starken Rhetorik gewählt würde, erklärte Gysi weiter. Er betonte, dass eine Überzeugung dahinter sein muss, um rhetorisch zu punkten.
Die Punkte, die Gysi in seiner Rede über Rhetorik in der politischen Welt ansprach, sind auch auf die Rhetorik außerhalb der Politik übertragbar. In jedem erdenklichen Lebensbereich – privat wie geschäftlich – ist es wichtig, eine Überzeugung zu haben, sie leicht verständlich und argumentativ sinnvoll zu vertreten und auf das Gegenüber einzugehen. Weitere Informationen darüber erhalten Sie in “Tu’s Maul auf!” von Dr. Anna Martini, welches Sie als Buch oder Hörbuch (erscheint Ende März / Anfang April) bestellen können.





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