Merkel vorm US-Kongress: Rhetorik geschickt einsetzen

Geschrieben am 6. November 2009 in Allgemein

Angela Merkel (CDU) hatte die große Aufgabe, sich vor den US-Kongress zu stellen und eine Rede zu halten. Vor ihr hat nur Adenauer die Gelegenheit gehabt, vor dem Kongress zu reden – 1957, als Westdeutschland gerade der Nato beigetreten war. Auf heute.de gibt es einen Artikel, der vor ihrer Rede geschrieben wurde – mit allen Erwartungen und Spekulationen um die Rede Merkels. Nach der Rede äußert sich heute.de auch; mit einem Foto, aufgenommen aus der Froschperspektive: Das impliziert nicht gerade positive Gedanken. Fotos aus dieser Sicht aufgenommen meinen es nicht gut mit dem „Motiv“, in diesem Fall unserer Kanzlerin.

Auf selbiger Seite zog das Video „Was nun, Frau Merkel“ meine Aufmerksamkeit auf sich. Im Interview stellte sich Merkel einigen Fragen – und besteht rhetorisch einwandfrei. Ihre Gestik, ihre Stimme und ihre Rhetorik sind ein stimmiges Ganzes. Merkel hat in den vergangenen Jahren das Lächeln gelernt und setzt es bewusst ein, ihre Stimme „lebt“ und ihre Rhetorik ist mit der Obamas vergleichbar: Sie redet stark und gestärkt, Merkel lässt die Zwischenkommentare von den Interviewpartnern einfach abprallen, indem sie höflich bittet weiterreden beziehungsweise ausreden zu dürfen oder indem sie schlichtweg einfach weiterredet. Das war es auch, womit sie im TV-Duell punkten konnte: Während Steinmeier ähnlich wie McCain auf das Dazwischenfunken der Moderation einging, konterte Merkel stimmrhetorisch souverän und wehrte so das Reinredenden ab.

Rede vor dem US-Kongress

Merkel hat mehrere Male höchste Komplimente in Form eines „Oh, oh, oh“ bekommen, als sie am 03. Oktober vor dem US-Kongress sprach – begleitet vom Beifall der Abgeordneten und Senatoren. Den Anfang machte sie mit den Worten: „In wenigen Tagen schreiben wir den 09. November. Es war der 09. November 1989, an dem die Berliner Mauer fiel.“ Sie bezog sich in ihrer Rede sehr auf dieses Ereignis des 09. Novembers, wenngleich eine Reihe von Ereignissen auf diesen Tag treffen, wie ein guter Wikipedia-Artikel erläutert.

Mit „großer Freude und Dankbarkeit“, aber nicht in tiefer Demut, sondern selbstbewusst redet Merkel zu ihrem Publikum – auf Deutsch, bis auf ihre warmen Schlussworte, die sie auf Englisch spricht. Mit dem Zitat des amerikanischen Präsidenten Kennedy, der 1961 in Berlin sagte: „Ich bin ein Berliner.“, schlägt Merkel erneut eine rhetorische Brücke zwischen Deutschland und Amerika.

Ebenfalls selbstbewusst betont die „Klimakanzlerin“ in ihrer Rede eben dieses Thema: Als einer der stärksten Länder in Bezug auf klimaschonende regenerative Energien kann sich Deutschland sehen lassen. Obama wird die Klimapolitik Amerikas weiter pushen und Merkel spielt auf die starke Wirtschaftlichkeit Deutschlands an, als sie über die Klimapolitik redet. Wieder sehr geschickt: Kein erhobener Zeigefinger, sondern eher ein Vorbild darstellend.

Merkel zeigt sich insgesamt sehr selbstbewusst; wissend, dass Deutschland ein verlässlicher, starker Partner ist, der eben solche Partner auch erwartet. Damit Sie sich einen Eindruck machen können, wenn Sie es selbst noch nicht gesehen haben, finden Sie hier Merkels Rede bei der Tagesschau:

Und einen Tag nach der Rede: Die Schlappe mit GM und Opel. In der Zeit war gestern allerdings ein Artikel zu finden, in dem es heißt, Obama und Merkel hätten sich verständigt und würden gemeinsam an einer Lösung arbeiten – der Kurs, Gemeinsamkeit und Stärke, wird also weitergefahren, denn verlässliche Partner fordern auch von der Gegenseite Verlässlichkeit.

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