Obama & Clinton: Schweigender Präsident, souveräne Außenministerin
Geschrieben am 19. Februar 2010 in Allgemein
Afghanistan, Teheran, Finanz- und Bankenkrise, Gesundheits- und Umweltpolitik: Alles Themen, in denen der amerikanische Präsident Barack Obama mitreden muss, und teilweise Themen, in denen auch Außenministerin Hillary Clinton ein Wörtchen mitzureden hat. Der einstige Rhetoriker Obama allerdings schweigt beharrlich, während sich Clinton äußerst souverän präsentiert – weg von der Kriegsrhetorik, hin zu Äußerungen, die zeigen: Es ginge auch ohne Krieg.
Obama: Populistisch oder still
Es gibt wirklich genügend Themen, mit denen sich Obama gerade auseinanderzusetzen hätte – allerdings scheint es momentan nur zwei Arten der Rhetorik für ihn zu geben: In Bezug auf volksnahe Themen – also Finanz- und Bankenkrise sowie Gesundheitspolitik – zeigt sich der amerikanische Präsident populistisch. Die Wall Street sei Schuld an der Krise und die Gesundheitspolitik mache große Fortschritte – das will das Volk hören, das bringt Wählerstimmen. Der Spiegel beschreibt seine Aussagen ausführlicher.
Und montags trat ein nicht gerade dynamisch wirkender Obama vor die Kamera. Ruhig – nein, eher matt – erklärte er, dass Amerika neue Atomkraftwerke brauche und bauen werde. Hier ist er sich seiner Sache sicher, agiert parteiübergreifend und spricht ohne Verve über den Bau neuer Atomkraftwerke – unbeachtet ungelösten Entsorgungsproblemen – nur den Kostenfaktor und die Unabhängigkeit in Energiefragen Amerikas vor den Augen.
In kriegerischen Angelegenheiten hingegen schweigt der amerikanische Präsident, der einst heroische Retter der Nation: CNN zieht bereits Vergleiche mit Bush und ein Kommentator sagt gegenüber der CNN: “Spätestens jetzt ist der Krieg in Afghanistan zu Obamas Krieg geworden.” Mehr oder minder schweigend, nicht mehr rhetorisch glänzend, entsendet Obama weitere 30.000 Soldaten in den Kabul – ein weiteres Kriegsgebiet. Geredet wird darüber nicht, aber “Schweigen” ist auch eine Aussage. Denn gleichzeitig gilt Obama noch immer als Friedenspräsident – wurde ihm nicht 2009 der Friedensnobelpreis verliehen? Spätestens 2012, wenn erneut die weltweit mächtigste Position zu besetzen ist und ein neuer amerikanischer Präsident gewählt wird, sollen die amerikanischen Truppen abgezogen sein – und damit könnte Obama vielleicht Chancen haben, wiedergewählt zu werden; weiter stellt sich natürlich die Frage nach den Alternativen. Schweigender und populistischer Obama: Eine Rhetorik, die auf Wählerstimmen aus ist. Aber keine “Change”-Rhetorik mehr; der Wind, der zu Obamas Anfängen geweht hat, hat sich gedreht.
Clinton: Souverän, taff und volksnah
Im Gegensatz zu Obama schafft es Außenministerin Hillary Clinton, in ihren Reden nahe dem Volke zu sein. Sie spricht mit klarer, fester Stimme davon, Sanktionen zu verhängen, aber außerhalb von militärischen Einsätzen, wie unter anderem das Handelsblatt berichtet. Und bei all der Ernsthaftigkeit behält Clinton gewissen Charme und Humor: Sie sei sich nicht sicher, “ob es nicht noch mehr diplomatisches Geschick erfordere, die Hochzeit ihrer Tochter Chelsea zu planen”, zitiert die Welt.
Clinton schafft es, trotz eines Hauchs Humor mit einem gewissen Ernst und einer Entschiedenheit zu reden, die Obama einst ebenfalls an sich hatte. Ihre Stimme klingt dabei bestimmt und sonor. Das Kicksen von einst (zu Wahlkampfzeiten) ist verschwunden. Spontan und gelassen reagiert sie mit sicherer Stimme souverän auf Fragen, ihre Reden sind ebenfalls souverän und aussagekräftig. Die Presse zeigt wieder Fotos von einer strahlenden Clinton, wie in der Printausgabe der FTD vom 17. Februar 2010 auf Seite 13 zu sehen ist. Könnte die Rhetorik Clintons eine Vorbereitung auf die Wahlen, die 2012 anstehen, sein?
Sollte sich der Spieß umdrehen, sodass Clinton rhetorisch überzeugt, Obama hingegen weiter zwischen populistisch bis still schwankt? Und wenn am kommenden Sonntag wieder gewählt würde? Wer würde wohl am ehesten überzeugen? Obama oder Clinton? Wie sehen Sie das?
Und sollten beide zur nächsten Präsidentschaftswahl in Amerika gegeneinander antreten, kann Clinton durchaus gute Chancen haben. Sie hat es mittlerweile übernommen, nicht auf militärische Aktionen zu setzen und das klar zu äußern. Sie bewegt sich souverän und spricht überzeugend. Ihre Ausstrahlung ist zurzeit brillant. Sie trifft das amerikanische Volk unpopulistisch an der richtigen Stelle. Und als erste Frau in dieser bedeutsamen Position könnte sie in zwei Jahren genauso gefeiert werden, wie Obama vor zwei Jahren als erster schwarzer Präsident Amerikas.
Doch, meine Damen und Herren, politisch würde Hillary Clinton dann alles auf eine Karte setzen – den Job der Außenministerin und die Chance, Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika zu werden!
Obama und Clinton: Beide verbinden gewisse Parallelen. Allerdings trennt beide ihre momentane Rhetorik: Obama ungewohnt schlapp, Clinton ungewohnt (oder auffallend) gut. Auch wenn zwei Jahre noch fern scheinen: Die Wahlvorbereitungen sind bereits in vollem Gange – und wenn beide so weitermachen, könnte die Siegerin bereits feststehen. Auch seine Rhetorik war es schließlich, die Obama zu seinem Wahlsieg verholfen hat – vielleicht bringt die feste Klarheit in zwei Jahren Clinton ins Amt.





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