Small Talk: Kurze, aber effektive Plauderei
Geschrieben am 14. September 2009 in Allgemein
Ich war vor kurzem auf einer dieser derzeit zahlreich stattfindenden Networking-Treffen; wichtige Sache, um neue Geschäftskontakte zu knüpfen. Um zu beobachten, hielt ich mich anfangs etwas im Hintergrund: Ziel der Veranstaltung war, wildfremde Menschen miteinander bekannt werden zu lassen. Da hinten: Ein Mann, der es krampfhaft versucht, via Small Talk mit anderen ins Gespräch zu kommen. Und dort: Eine, die bemüht lächelt, als sie angesprochen wird. Weiter hinten eine Trupp lachender Menschen, die ihre Visitenkarten schwenken. Der Trupp löst sich auf, einer der Menschen bleibt in meinem Auge. Er flaniert von Tisch zu Tisch und schafft es, sich bei jedem lächelnd interessant zu machen. Nur kurz bleibt er bei den jeweiligen Menschen, um dann entspannt weiterzuschauen.
Soziale Phobie: Brauchen wir nicht!
Die Diagnose „soziale Phobie“ scheint der aktuellen Zeit entsprungen zu sein. Sie ist noch recht jung und eine Pille scheint dagegen auch gewachsen zu sein: Der amerikanische Historiker und Literaturwissenschaftler Christopher Lane schreibt in seinem Buch „Shyness – Schüchtern“, dass über 18 Millionen Amerikaner Tabletten gegen Schüchternheit nehmen! Medikation braucht es meines Erachtens nicht, sondern ein Training im Bereich Small Talk.
Gegenteilig zur „sozialen Phobie“ gibt es die Quasselstrippen, die Über-Extrovertierten, die kein Taktgefühl entwickeln, wann sie lieber still sein und aufs Reden verzichten sollten. Es ist in diesem Bereich wie woanders auch: Das goldene Mittelmaß ist ideal. Erkennen Sie, wann Sie sich äußern können, haben Sie keine Angst davor, etwas „Falsches“ zu sagen – wenn Sie etwas mal nicht wissen, zeugt es von Ihrer Größe, das zuzugeben und von Ihrem Interesse, zu hinterfragen – und erkennen Sie auch, dass wasserfallartige Wortergüsse unpassend sein können.
Tabus im Small Talk: Politik und Religion
Small Talk ist die Kunst des leichten Redens – deshalb gibt es, wie sämtliche Lektüre und alle Trainings predigen – Themen, die außen vor gelassen werden sollen. Dazu gehören auch Politik und Religion; über beides lässt sich wohl tagelang streiten, deshalb sind das keine Small Talk-Themen. Eigentlich. Nun haben wir in gut zwei Wochen Bundestagswahl, was bedeutet, dass Ihnen bei Ihrem nächsten Small Talk durchaus politische Themen begegnen könnten. Seien Sie elegant, seien Sie diplomatisch und vor allem: Perfektionieren Sie Ihre Ungenauigkeit. Sie dürfen in einer Situation wie der aktuellen über Politik reden, aber werden Sie nicht zu spezifisch. Ein „gespannt auf das sein, was kommen wird“ ist erlaubt, aber unterlassen Sie es, Ihren genauen Standpunkt in Sachen Mindestlöhne oder Auslandseinsätzen der Bundeswehr abzugeben. Kommt jemand mit solch kontrovers diskutierten Punkten auf Sie zu, tun Sie sich selbst einen Gefallen und weichen Sie gekonnt aus: „Spannende Frage, das sollten wir bei anderer Gelegenheit unbedingt diskutieren.“ Schon sind Sie draußen und brauchen Ihren Standpunkt nicht während dem Small Talk, aus dem sonst ein Politik Talk würde, abgeben.
Tipps gegen Schüchternheit
Viele Menschen meinen, sie könnten nicht small-talken, weil sie schüchtern sind. Wissen Sie, was dagegen hilft? Lassen Sie sich ins kalte Wasser fallen – und fragen Sie sich, was schlimmstenfalls passieren kann, wenn Sie einfach mal mitreden. Hier einige konkrete Tipps, um Ihre Schüchternheit zu überwinden:
- Reden Sie! Lassen Sie die schriftliche Kontaktaufnahme und üben Sie schon in Ihrem Alltag das Reden. Reden Sie mit der Kassiererin beim Einkaufen, fragen Sie Ihre Friseurin mal, wie es ihr geht, fangen Sie ein Gespräch in den öffentlichen Verkehrsmitteln an.
- Machen Sie auf sich aufmerksam. Setzen Sie sich bewusst in Situationen, die Ihnen vielleicht sogar unangenehm oder peinlich sein könnten. Provozieren Sie Gespräche. Zahlen Sie an der Kasse mit all Ihrem Kleingeld, fragen Sie den Radfahrer, der Ihnen auf dem Gehsteig entgegenkommt, ob er nicht Radfahrweg ausprobieren möchte, stellen Sie sich einer auf Sie zukommenden Menschenmenge fest entgegen – Touristengruppen sind hervorragend dafür geeignet – graben Sie bewusst lange nach Ihrem Fahrticket, wenn der Kontrolleur kommt. Verletzen oder verunsichern Sie niemanden, aber bringen Sie sich bewusst in schwierige Situationen. Sie werden lernen, dass das gar nicht so schlimm ist und dass Ihnen nichts passiert.
- Lassen Sie alles raus – aber vielleicht in einer fremden Rolle. Haben Sie mal daran gedacht, Theater zu spielen? Vielleicht sogar Improvisationstheater? Sie haben die Möglichkeit, in eine fremde Rolle zu schlüpfen und dann all Ihre Schüchternheit zu vergessen. Glauben Sie mir: Das, was Sie hier lernen, werden Sie mit in die „richtige Welt“ nehmen.
Mögliche Gesprächseinstiege
Überwinden Sie Ihre Schüchternheit und steigen Sie beispielsweise mit Fragen der folgenden Art in Ihr Gespräch ein:
- „Waren Sie schon öfter bei diesen Networking-Treffen?“; und beim Bejahen: „Wie erfolgreich sind diese für Sie?“
- „Sie kennen Frau Müller schon eine Zeitlang von früheren Tätigkeiten? Was hat Sie denn zusammengeführt?“
- „Kommen Sie aus dieser Stadt? Ich bin nur zu Besuch hier – haben Sie einen Tipp für mich, was ich keinesfalls verpassen darf?“
- „Kompliment für Ihr zauberhaftes Kostüm!“
- „Ach, Sie sind mit dem Zug angereist. Nutzen Sie die Zeit darin eher zum Arbeiten oder haben Sie ein gutes Buch gelesen?“
- „Gerade ist ja Urlaubszeit. Sind Sie dieses Jahr schon dazu gekommen zu verreisen?“
- Als Gastgeber und bei Sonnenschein angebracht: „Sie haben uns ja hervorragendes Wetter mitgebracht! Na ja, wenn Engel reisen…“
Bedenken Sie bitte, dass der gelungene Gesprächseinstieg gar nichts nützt, wenn Sie nicht auch dran bleiben. Fragen Sie, antworten Sie, seien Sie aktiv. Haken Sie dabei keine Themen ab, sondern gehen Sie auf das Gesagte ein. Seien Sie schlagfertig; dafür bekommen Sie hier gute Tipps.
Arbeiten Sie mit den berühmten W-Fragen, können Sie sicher sein, dass Sie mehr als ein „Ja“ oder „Nein“ zu hören kriegen. Was? Wann? Wie? Warum? Womit? Wohin? Woher? – diese Fragen öffnen Ihnen die Tür zum Small Talk. Werden Sie angesprochen, unterstützen Sie Ihr Gegenüber auch mit entsprechenden Äußerungen. Wenn Sie gefragt werden, woher Sie kommen, antworten Sie etwas umfangreicher: „Aus Weimar; die Stadt, in der Goethe Charlotte von Stein den Hof machte.“ Damit hat Ihr Gegenüber gleich mehrere Möglichkeiten, darauf einzugehen: Literatur im Allgemeinen, Goethe im Besonderen oder Weimars schöne Altstadt.
Schaffen Sie – wie ich an dieser Stelle – einen eleganten Ausstieg aus dem Small Talk: Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und freue mich, Sie bei nächster Gelegenheit (wieder) zu treffen!





3 Kommentare
Neuen Kommentar schreiben1. Small Talk – die Kunst miteinander ins Gespräch zu kommen « Albert Kreuz Blog | 25. September 2009 | 18:07
[...] Sie weitere Tipps, wie man mit anderen ins Gespräch [...]
2. 5 Fehler die Kleinunternehmer vermeiden sollten. | Lifestyle-Design | 30. Juni 2010 | 13:13
[...] Neigen Sie dazu in Gesellschaft zu viel zu reden, oder noch schlimmer, zu viel von sich selbst zu erzählen? Niemand interessiert sich dafür wie lange Sie im Stau gestanden haben oder was Sie sich im letzten Urlaub tolles gekauft haben. Smaltalk ist wichitg und sollte gekonnt geführt werden. Einen schönen Beitrag zum Thema Smaltalk finden Sie im Rhetorikblog. [...]
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