Stimmt die Rhetorik, stimmt auch die Stimme

Geschrieben am 21. April 2010 in Allgemein

Ich habe eine Frage an Sie, liebe Leser: Sind Sie stimmig? Also … stimmt Ihre Rhetorik – verbal und nonverbal – so, dass Sie mit Ihrer Stimme den gewünschten Auftritt hinlegen können? Das habe ich mich bei mir gefragt, als ich ein Probekapitel aus “Gefangen im Irrenhaus – Robert Schumann” von Uwe Henrik Peters in den Händen hielt. Soweit finde ich das stimmig: Wenn alle dafür nötigen Körperteile gut zusammenspielen, stimmt auch die Stimme als Teil der gesamten StimmRhetorik.

Das Kapitel “Schumanns Stimme” ist recht lehrreich, wenn es um Rhetorik geht. Peters beschreibt (und belegt dies auch in seinen Quellen), dass Schumann in seinem Tagebuch von einer “Sprechorganschwäche” schreibt. Dass es kein “Sprechorgan” als solches gibt, sondern vielmehr Kehlkopf, Stimmbänder, Halsmuskeln, Zunge, Lippen und Atmung zusammenspielen müssen, beschreibt er weiter. Schumann litt offensichtlich an dieser “Schwäche”, die mal mehr, mal weniger stark ausgeprägt war.

Auch in der nonverbalen Rhetorik Schumanns wird sichtbar, dass er nie ein Mann der großen Worte war: “Auf allen 16 authentischen Portraits senkt Schumann das Kinn auf die Brust”, beschreibt Peters und nennt konkrete Fotos, die das belegen. Daraus lässt sich nicht nur seine fehlende Rhetorik-Begabung, sondern auch eine negative Stimmbildung schlussfolgern. Peters zieht daraus den Schluss, dass Schumann wohl zu den Menschen gehöre, die der Ansicht sind, seine Rhetorik könne man nicht trainieren; vielmehr sei diese gottgegeben. Einige Quellen beweisen, dass Schumann sogar davon wusste, dass seine Haltung mitverantwortlich für seine Stimmschwäche war. Mit steigendem seelischen Druck stieg auch die Stimmschwäche weiter an – als die Einsamkeit im Irrenhaus ENDEnich folgte, nahm er das als gegeben hin und tat nichts, um mit anderen Betroffenen zu sprechen.

Dass Stimmtraining “eine sehr körperliche Arbeit” ist, thematisiert die FAZ am 11. April. Die Redakteure der FAZ verweisen auf die 7-55-38-Prozent-Regel: 7 Prozent Inhalt, 55 Prozent visuelle Bewertung und 38 Prozent Stimmklang. Die Stimme wird als “Karrierefaktor” bezeichnet und es werden konkrete Beispiele genannt – ein lesenswerter Artikel, der wieder zeigt: Wer “stimmig” ist, kommt weiter.

Noch keine Kommentare!

Schreibe einen Kommentar